28. August 2026
Ob Produktionsbetrieb, Beratungsunternehmen oder Logistikfirma: Jedes KMU ist Risiken ausgesetzt. Welche Absicherung in welchem Umfang sinnvoll ist, hängt stark von Branche, Grösse und Geschäftsmodell ab. Gleichzeitig gibt es KMU-Versicherungen, die für Unternehmen mit Mitarbeitenden obligatorisch sind.
Unsere Übersicht zeigt, welche Versicherungen Schweizer KMU kennen sollten und worauf es bei der Absicherung besonders ankommt.
Obligatorische Versicherungen:
Freiwillige Versicherungen:
Für Unternehmen mit Mitarbeitenden sind verschiedene Sozialversicherungen gesetzlich vorgeschrieben. Bei Einzel- oder Kollektivgesellschaften gelten für Inhaberinnen und Inhaber andere Regeln als bei einer AG oder GmbH. Welche Versicherungen obligatorisch sind und welche zusätzliche Absicherung sinnvoll ist, hängt deshalb auch von der Rechtsform und dem sozialversicherungsrechtlichen Status ab. Eine Beratung kann helfen, die passende Absicherung festzulegen.
Beschäftigt ein KMU Mitarbeitende, muss es diese bei der zuständigen Ausgleichskasse anmelden und die vorgeschriebenen Sozialversicherungsbeiträge abrechnen. Dazu gehören insbesondere AHV, IV, EO und Arbeitslosenversicherung.
Mitarbeitende müssen einer Pensionskasse angeschlossen werden, sofern sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Dabei muss der Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Beiträge für die berufliche Vorsorge seiner Mitarbeitenden übernehmen.
Je nach Unternehmen kommen unterschiedliche Vorsorgelösungen infrage – von einer Sammelstiftung bis zur firmeneigenen Pensionskasse.
Alle Arbeitnehmenden müssen gegen Berufsunfälle und Berufskrankheiten versichert sein. Arbeiten sie mindestens acht Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber, ist zusätzlich die Nichtberufsunfallversicherung obligatorisch.
Über die gesetzlichen Leistungen hinaus kann eine freiwillige UVG-Zusatzversicherung sinnvoll sein, beispielsweise um höhere Löhne oder zusätzliche Leistungen abzusichern.
Bei freiwilligen Versicherungen gilt nicht: je mehr, desto besser. Entscheidend ist, dass die Deckungen zu den tatsächlichen Risiken des Unternehmens passen. Eine sorgfältige Risikoanalyse hilft, existenzbedrohende Lücken zu schliessen, ohne unnötige Versicherungsprämien zu bezahlen.
Auch die Hochschule Luzern empfiehlt, Risikomanagement als festen Bestandteil strategischer und operativer Entscheidungen zu verankern.
Ein Personen- oder Sachschaden kann rasch hohe Schadenersatzforderungen auslösen. Die Betriebshaftpflichtversicherung schützt Unternehmen vor den finanziellen Folgen berechtigter Ansprüche Dritter und wehrt ungerechtfertigte Forderungen ab.
Für beratende, planende oder medizinische Tätigkeiten kann zusätzlich eine Berufshaftpflicht sinnvoll sein. Für bestimmte Berufe, etwa Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, ist sie sogar gesetzlich vorgeschrieben. Sie schützt vor finanziellen Folgen beruflicher Fehler.
Wichtig ist dabei nicht nur, dass eine Versicherung besteht. Deckungssummen, Ausschlüsse und die Bedingungen der Police müssen zum Unternehmen passen. Auch vertragliche Vorgaben, die im Schadenfall einzuhalten sind, können Einfluss darauf haben, ob die Versicherung die erwartete Leistung vollständig erbringt.
Fällt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter krankheitsbedingt längere Zeit aus, besteht für den Arbeitgeber grundsätzlich eine zeitlich begrenzte Lohnfortzahlungspflicht gemäss Art. 324a OR. Eine Krankentaggeldversicherung kann dieses finanzielle Risiko absichern.
Je nach Gesamtarbeitsvertrag oder arbeitsrechtlicher Vereinbarung können zudem besondere Vorgaben gelten. In einigen Branchen ist diese Versicherung obligatorisch.
Maschinen, Anlagen, Einrichtungen, Waren oder IT-Systeme machen oft einen erheblichen Teil des Unternehmenswerts aus. Eine Sachversicherung schützt diese Werte beispielsweise gegen Feuer- und Wasserschäden oder Einbruchdiebstahl.
Mindestens genauso wichtig ist die Frage, was passiert, wenn der Betrieb nach einem Schaden stillsteht. Eine Betriebsunterbruchversicherung kann die laufenden Kosten und entgangenen Gewinn während eines versicherten Unterbruchs abdecken.
Arbeitsrechtliche Konflikte sowie Streitigkeiten mit Lieferanten oder Behörden können hohe Rechtskosten verursachen. Eine Betriebsrechtsschutzversicherung übernimmt je nach Vertrag unter anderem Kosten für Beratung, Anwälte und Gerichtsverfahren.
Sind Mitarbeitende regelmässig mit Fahrzeugen unterwegs, ist zusätzlich ein Verkehrsrechtsschutz häufig sinnvoll.
Besitzt ein KMU eine eigene Liegenschaft, muss auch deren Absicherung geprüft werden. Die konkreten Vorgaben zur Gebäudeversicherung unterscheiden sich je nach Kanton. In 19 von 26 Kantonen ist die Gebäudeversicherung Pflicht, für die GUSTAVO-Kantone läuft sie privatrechtlich.
Erdbebenschäden sind in der üblichen Gebäudedeckung nicht automatisch umfassend eingeschlossen. Für Unternehmen mit eigenem Gebäude, wertvollen Anlagen oder hoher Standortabhängigkeit lohnt es sich deshalb, den Bedarf einer zusätzlichen Erdbebenversicherung zu prüfen.
Cyberrisiken werden bei KMU noch immer häufig vernachlässigt. Dabei können ein IT-Ausfall, Datenverlust oder eine Cyberattacke den Geschäftsbetrieb erheblich beeinträchtigen. Und Internetkriminalität betrifft längst nicht nur grosse Unternehmen. Auch kleine KMU landen vermehrt im Visier von Kriminellen.
Eine Cyberversicherung übernimmt, je nach Police, unter anderem die Kosten für Datenwiederherstellung, IT-Fachpersonen, Krisenmanagement, Rechtsberatung und Betriebsunterbruch sowie Haftpflichtansprüche Dritter.
Entscheidend ist auch hier das Kleingedruckte: Welche Sicherheitsvorgaben müssen eingehalten werden? Welche Ereignisse sind ausgeschlossen? Und welche Leistungen stehen im Schadenfall tatsächlich zur Verfügung? Die günstigste Police ist deshalb nicht automatisch die beste.
Neben diesen neun Versicherungen können weitere Deckungen sinnvoll sein. Dazu gehören beispielsweise:
Die Auswahl ist nicht abschliessend. Je nach Branche, Tätigkeit und Risikoprofil können weitere Versicherungen sinnvoll sein. Eine professionelle Risikoanalyse und Beratung kann helfen, die individuellen Absicherungsbedürfnisse und einen massgeschneiderten Versicherungsschutz zu ermitteln.
Ein Versicherungsschutz, der vor fünf Jahren gepasst hat, muss heute nicht mehr ausreichen. Neue Mitarbeitende, zusätzliche Standorte, höhere Umsätze, neue Maschinen, internationale Aktivitäten oder veränderte Cyberrisiken können den Versicherungsbedarf wesentlich verändern.
Deshalb empfiehlt ASSEPRO, eine klare Versicherungspolitik für das Unternehmen zu definieren und das bestehende Versicherungsportfolio regelmässig überprüfen zu lassen. Dabei geht es nicht nur darum, fehlende Versicherungen zu erkennen. Auch Doppelversicherungen, falsche Versicherungssummen, ungünstige Vertragsbedingungen oder unnötige Deckungen können so sichtbar werden.
Besonders geprüft werden sollten:
Der Vorteil einer unabhängigen Versicherungsberatung durch einen Broker liegt darin, dass nicht einzelne Policen isoliert betrachtet werden. Das gesamte Risikoprofil und Versicherungsportfolio wird aufeinander abgestimmt. So entsteht eine Absicherung, die zum Unternehmen passt – und nicht einfach möglichst viele Versicherungen umfasst.
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